Generationenwechsel im 8. Forum Kirche – Wirtschafts – Arbeitswelt 2018

Wissenstransfer und Generationenwechsel im Forum für Wirtschaftsethik

ROTHENBURG o.d.T. – Am Wochenende fand im Wildbad Rothenburg das 8. Forum Kirche – Wirtschaft – Arbeitswelt des Kirchlichen Dienstes in der Arbeitswelt der Evangelisch-Lutherischen Kirche in Bayern (kda) in Kooperation mit der Evanglischen Tagungstätte statt. Die Teilnehmer*innen aus Kirche und Wirtschaft diskutierten zwei Tage lag intensiv über die Weitergabe von Traditionen in Kirche und Wirtschaft, über die Gestaltung von Generationswechseln und über die Frage, wie (christlichen) Werte in Unternehmen weiter vermittelt werden können. Dabei wurde deutlich, dass Traditionsweitergabe stets ein lebendiger Prozess ist, der gelingen kann, wenn der Blick für den jeweils anderen nicht verloren geht und offen kommuniziert wird. Biblische Texte können dabei hilfreiche Begleiter sein und Segen zum sichtbaren Zeichen für Übergänge werden.

„Transfer und Tradition – Erfahrung und Erneuerung im Betrieb“ so lautete der Titel

Beständiger Wandel, lebendige Tradition

Passender hätte das Thema der diesjährigen Tagung im Wildbad nicht gewählt sein können. Denn am Wochenende wurde nicht nur das Leitungsgremium aller bayerischen Kirchengemeinden neu gewählt, sondern auch das Tagungshaus selbst hat seit einem halben Jahr eine neue Leitung. So stellte sich „der Neue“ Dr. Wolfgang Schuhmacher in seiner Begrüßung erstmals dem Publikum des Forums vor. Mit der alltäglich menschlichen Erfahrung „Nichts bleibt, wie es war“ fasste Dr. Johannes Rehm, Leiter des kda Bayern, die Herausforderungen zusammen, die mit jedem solchen Generationenwechsel verbunden sind. „Eigentlich ist es unerlässlich, dass man sich regelmäßig im Arbeitsalltag vergegenwärtigt, wie war es früher und wer hat vor mir, was, warum, wie entschieden,“ resümierte Rehm und verwies auf die christliche Tradition, die helfen könne, „die richtige Balance von Erfahrung und Erneuerung zu finden.“

Tradition als lebendiger Vorgang

Hierauf ging auch Prof. Dr. Karin Ulrich-Eschemann im ersten Vortrag der Tagung ein. Ihrer Ansicht nach sei die Wurzel der Tradierung in der Familie zu finden. Dabei sei sie hier wie auch im christlichen Kontext ein dynamischer Vorgang. „Durch die Verbindung von Gottes- und Menschengeschichte wird [mit Jesus] nochmal eine neue Tradition in Gang gesetzt.“ Diese gilt es, aktiv weiterzugeben „als lebendiger Vorgang, als gelebte Praxis.“ Insgesamt ist Ulrich-Eschemann überzeugt: „In allem, was wir tun, ist auch etwas enthalten von dem, was wir empfangen haben.“

Verständnis, Werte und Rücksichtnahme

Dem konnten die drei Gesprächsteilnehmer bei der anschließenden Podiumsdiskussion zustimmen, als sie von ihren Erfahrungen aus der betrieblichen Praxis referierten. So berichtete Henriette Mark, Vorsitzende des Betriebsrates Südbayern und Mitglied des Aufsichtsrates der Deutschen Bank AG, von zwei unterschiedlichen Traditionssträngen, die in ihrem Unternehmen zu finden seien. Um beide Identitäten, sowohl die Tradition des internationalen Investmentbankings als auch die Werte des deutschen Traditionsbankhauses, miteinander zu vereinen, bedürfe es ihrer Ansicht nach „ein ständiges Werben um gegenseitiges Verständnis“. Am wirksamsten sei es, so Mark, wenn Alt und Jung voneinander lernten.

Davon wusste Hanns-Thomas Schamel, Seniorchef der Firma Schamel Meerrettich, einem Betrieb mit rund 50 Mitarbeitenden und langer Familiengeschichte, aus eigener Erfahrung zu berichten. Der Übergang von einer Generation zur nächsten sei in seiner Familie nicht immer reibungslos verlaufen. Deshalb stehe es für ihn fest, dass es unabhängig vom Zeitgeist „feste Werte sind, die auch feste Werte im Unternehmen bleiben müssen.“ Das Geheimnis jeden erfolgreichen Unternehmens sei es, „dass es etwas gibt, worauf sich Mitarbeiter, Kunden, Lieferanten verlassen können.“ Für Schamel spielen gerade die christlichen Werte eine zentrale Rolle.

Aus Sicht des Handwerks sei einer dieser zentralen Werte bei der Übergabe von Betrieben die gegenseitige Rücksichtnahme, insbesondere wenn die neue Generation frische Ideen einbringen möchte. Christopher Kruse, Geschäftsführer des Landesinnungsverbands für das bayerische Bäckerhandwerk, kennt viele Beispiele aus der Praxis, wo dies gelungen sei und im Anschluss an die Bibelstelle Johannes 3,30 die neue Generation gewachsen und die alte in einem Betrieb abgenommen habe. „Das Werk des Übergebenden erfüllt sich erst in der erfolgreichen Übergabe,“ ist er sich sicher. Doch gleichzeitig ist sich Kruse bewusst, dass zwischen den Generationen ein Vertrag bestehe, der jeden Tag neu überprüft werden muss und gegebenenfalls auch gekündigt werden kann.

Kraft, Liebe und Besonnenheit

In seiner Predigt am Samstag Früh griff der Altbischof der Evangelischen Kirchenprovinz Sachsen und theologischer Vorsitzender der Arbeitsgemeinschaft Handwerk und Kirche, Prof. Dr. Axel Noack, einen Teil des zweiten Briefs an Timotheus auf und brachte damit drei weitere Begriffe ins Spiel. Timotheus, der selbst schon in dritter Generation dem christlichen Glauben angehört, wird vom Apostel in dessen Brief an Gottes Geist der Kraft, Liebe und Besonnenheit erinnert. Dies wünsche der jedem bei der Traditionsübergabe an die nächste Generation, im Glauben wie im Betrieb, so der Altbischof.

Gute Kommunikation und Gottes Segen

Das Stichwort Kommunikation stand im Mittelpunkt der anschließenden vier Workshops, deren Ergebnisse im Plenum vorgestellt und diskutiert wurden.

So sei es nicht nur das Wissen an sich, das Senior-Experts an Jüngere im Betrieb weitergeben, das gut kommuniziert werden sein will. Unter Leitung von Michael Ballweg, Geschäftsführer der media access GmbH, waren sich die Teilnehmenden des Workshops einig, dass es auch um das „Wie“ gehe, denn Senior-Experts haben nicht (mehr) das Sagen, sondern sind in der Rolle des Beraters im Betrieb unterwegs.

Für Mitarbeitende sei bei Betriebsübergängen insbesondere die Transparenz der Kommunikation von zentraler Bedeutung, um Ängste abzubauen und Vertrauen in das Neue zu schaffen, so die Meinung aus dem zweiten Workshop unter Leitung des Betriebsratsvorsitzenden und Aufsichtsrats der LEDVANCE GmbH, Hubert Roßkopf.

Im Handwerk brauche es gerade innerhalb von Familien zahlreiche Gespräche bei der Betriebsübergabe. Nicht nur die gegenseitige Wissensvermittlung sei laut Eva Beck von der Handwerkskammer für München und Oberbayern wichtig. Auch die Verteilung von Aufgaben und Finanzen innerhalb der Familie dürfe nicht aus dem Blick geraten, um den Familienfrieden und das Familiengefüge stabil zu halten.

Aus christlich-ethischer Sicht bedürfe es des regelmäßigen Diskurses über die Werte in einem Unternehmen, gerade bei einem Generationenwechsel oder einer neuen Leitung. Dies sei ein gegenseitiger Lern- und Bildungsprozess, so Schuhmacher bei der Präsentation der Ergebnisse aus dem vierten Workshop.

In der anschließenden Diskussion wurde deutlich, dass die biblische Tradition immer wieder von solchen Übergängen erzählt und der Segen hierbei eine wichtige Rolle spielt. Segen ist nicht nur äußeres Zeichen für die Stabübergabe von der einen Generation zur nächsten, sondern er bringt gleichzeitig die eigene Endlichkeit zum Ausdruck.

Das nächste Forum Kirche – Wirtschaft – Arbeitswelt findet am 18./19. Oktober 2019 im Wildbad Rothenburg statt.

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