Presseschau 2. FORUM Kirche – Wirtschaft – Arbeitswelt 26.10.-27.10.12

  • Titel: FORUM Kirche Wirtschaft Arbeitswelt

„Heiliger Zorn“ bleibt aktuell

Auf der Suche nach Orientierung für wirtschaftliches Handeln

Rothenburg ob der Tauber. Rund 500 Jahre nach der Reformation sind Luthers Arbeitsethos, Leidenschaft und „heiliger Zorn über die Missachtung des Rechts der Schwachen“ genauso aktuell wie „das Fossil ‚Ehrbarer Kaufmann‘“. Das verdeutlichte das 2. Forum Kirche – Wirtschaft – Arbeitswelt, zu dem an diesem Wochenende mehr als 70 Tagungsteilnehmer ins Wildbad Rothenburg kamen. Das Thema der zweitägigen Veranstaltung lautete „Orientierung für Wirtschaft im Wandel – von Luther profitieren“.

Wirtschaftliche Fehlentwicklungen und die wachsende Ungleichheit, wie sie der letzte Armuts- und Reichtumsbericht der Bundesregierung beschreibt, bieten Landesbischof Prof. Dr. Heinrich Bedford-Strohm „viel Anlass dafür, in die Tradition zurückzuschauen“. In seinem Impulsreferat nannte er „bei aller Begrenztheit der Denkwelt Luthers“ dessen vom Glauben geprägte ethische Grundintentionen für die Wirtschaftswelt der damaligen Zeit gleichermaßen „hoch relevant“ wie für die global ausdifferenzierte Wirtschaft heute.

Dabei geht es laut Bedford-Strohm weder darum, das Denken Luthers unkritisch zu transferieren, noch um das Diffamieren von Wohlstand. Wohl aber müssten Fragen wie jene nach Möglichkeiten zur Begrenzung von Ungleichheiten, zur Vermeidung von Verarmung oder zur Verhinderung von weltweiten Nahrungsmittelspekulationen jetzt einer dynamischen Diskussion zugeführt werden. Gefordert sei, wie schon bei Luther, „eine Ordnung, die die Schwachen schützt und die Möglichkeit zu wirtschaftlicher Prosperität nicht blockiert.“

Die massive Vertrauenskrise der Bevölkerung gegenüber dem sozialen marktwirtschaftlichen System bedauerte IHK-Präsident Drik von Vopelius in seinem Vortrag als „echte Schieflage“. Nach seiner Auffassung gibt es inmitten der durchlebten Wirtschafts- und Finanzkrise sogar Grund zu Optimismus. Laut Vopelius gewinnen Anstand und Moral als Wettbewerbsvorteile wieder an Bedeutung. Er sieht „eine Renaissance von Unternehmensleitbildern“. Das “Fossil ‚Ehrbarer Kaufmann‘“, das bis in die Lutherzeit zurückweist und den meisten Unternehmern selbstverständlich ist, befinde sich in einer Phase der Wiederentdeckung.

Als ursächlich für eine Verrohung der Märkte und die Vernachlässigung ehrbaren Handelns in der komplexen, arbeitsteiligen Welt beschreibt Vopelius „das menschliche Handeln aus der Anonymität heraus“ und die Überschätzung des materiellen Denkens. Demgegenüber seien eine konsequente strategische und ethisch-moralische Ausrichtung von Unternehmen am Nutzen für den Menschen, Glaubensfestigkeit und das Streben nach echter Wertschöpfung die wirklichen Voraussetzungen für dauerhaften Erfolg. Vopelius ist sich darin sicher: Das Genossenschaftsmodell wird neu entdeckt werden.

Flyer als PDF ↓

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