Rückblick 3. Forum Kirche-Wirtschaft-Arbeitswelt

Den Wandel mit Mut, Zeit und Solidarität gestalten

Wie arbeiten und Leben menschlich wird – 3. Forum Kirche – Wirtschaft – Arbeitswelt im Wildbad Rothenburg

Beim 3. Forum Kirche – Wirtschaft – Arbeitswelt der bayerischen Landeskirche im Wildbad Rothenburg plädierte der Nürnberger Arbeitsmarktforscher Joachim Möller am Wochenende für die Einführung eines flächendeckenden Mindestlohns in Deutschland. Der Professor für Volkswirtschaft und Direktor des Instituts für Arbeitsmarkt- und Berufsforschung der Bundesagentur für Arbeit (IAB) sprach hier zum Thema „Arbeit menschlich gestalten“.

Unmittelbar nach seinem Referat reiste der Experte, der die Politik auch während der Koalitionsverhandlungen berät, wieder nach Berlin. Möller ist sicher, dass der flächendeckende Mindestlohn kommen wird. Im Besonderen in Branchen ohne Tarifbindung könne er den Arbeitnehmern Schutz bieten.

Zugleich warnt Möller vor zu hohen Erwartungen. „Mindestlohn wird keine Ungleichheit oder das Aufstocken beseitigen. Aber er wird ein Signal sein, extrem niedrige Bezahlung zu verhindern und die Trends zunehmender Ungleichheit zu stoppen.“

Arbeit menschlicher werden zu lassen, bedeutet für Möller im Besonderen eine verbesserte Qualität der Beschäftigung durch stabile Arbeitsverhältnisse, ausreichenden Lohn, soziale Absicherung, ständige Weiterbildungsmöglichkeiten und Zeitsouveränität.

Als Mittel gegen  „verhärtete Arbeitslosigkeit“ forderte er mehr individuelle Ansätze, die Ausbildung und Qualifikation ermöglichen sowie  Maßnahmen, „die ein Abrutschen von Menschen in den harten Kern der Arbeitslosigkeit“ verhindern.

Mehr Mut zum Wandel

In den nächsten zehn Jahren werde es eine qualitative Verfestigung von Problemgruppen und quantitativ eine Entspannung auf dem Arbeitsmarkt geben. Das prognostizierte auch Traugott Jähnichen, Professor für Christliche Gesellschaftslehre an der Ruhr-Universität Bochum. Er schlussfolgert daraus, dass sich damit zugleich die Bedingungen verbessern, für „gute Arbeit“ einzutreten und plädiert für „starke, vernünftige Gewerkschaften“.

Unter dem Begriff „gute Arbeit“ subsummiert der Theologe und Ökonom unter anderem Weiterbildungs- und Entwicklungschancen, Raum für Kreativität, Solidarität oder eine kollegiale Betriebskultur. „‘Gute Arbeit‘ ist ein echter Wert, eine Win-Win-Situation für alle“ und primär Aufgabe von Unternehmen sowie Handwerksbetrieben. „Zugleich aber brauchen wir einen gesellschaftlichen Diskurs, der nicht nur auf den Mindestlohn schaut.“

Dazu zählt Jähnichen den Diskurs über eine durchgängige Qualifizierungs- und Bildungsoffensive, über dauerhafte Erwerbsmöglichkeiten und Perspektiven für arbeitsmarktferne Gruppen oder Langzeitarbeitslose. Laut Jähnichen liegen zu viele individuelle Potentiale und gesellschaftliche Tätigkeitsfelder brach,  die in Erwerbstätigkeit eingebracht werden können. Voraussetzung sei, dass sie als wertvoll anerkannt und in ein förderndes, stabilisierendes Umfeld eingebettet werden. „Hier wünsche ich mir einen Aufbruch.“

Die Gestaltung des Wandels in der Arbeitswelt sieht Jähnichen als gesamtgesellschaftliche Aufgabe und einzige Chance für die Zukunftsfähigkeit der Gesellschaft. Er appelliert an die Kirchen, den Wandel zu begleiten als einen Prozess, der Mut, Zeit, Solidarität und Hoffnung braucht.

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